anieder hat geschrieben:
Was ich schade finde.
Die Wortwahl „Abzocke“
Wenn jemand in kleiner Serie eine Nische bedient und dafür ggf. auch eine gute Marge kalkulieren muss dann ist das gleich Abzocke.
Das ist Abzocke. Anders kann man es nicht bezeichnen.
Ich bin Dipl.-Ing. Fahrzeugbau und habe früher als Produktmanager "PKW" beim weltgrößten Reifenhersteller (Bridgestone) gearbeitet. Ich kenne deshalb auch die Herstellungskosten und die Margen.
So ein 185 R 15 XVS kostet auch in der Kleinserie nicht mal 20,– € in der Herstellung und wird für 284,– € verkauft.
Ein Dunlop in gleicher Größe sogar für 440,– €. Das nenne ich Abzocke.
Ist ja auch logisch, dass die Herstellungskosten so niedrig sind. Die Handarbeit daran ist relativ gering. Das Wickeln des Reifenrohlings (Green Tire) dauert nur ca. 2 Minuten. Dann kommt der Reifen in die Form und wird dort – dank Vulkanisationsbeschleunigern – in wenigen Minuten "gebacken". Zum Schluss kommt noch eine Endkontrolle. Früher per Hand (ca. 1 bis 2 Minuten). Heutzutage automatisch (Sichtkontrolle, Röntgen, Hohlogramm).
Bei den Lohnkosten in Slowenien kosten max. 4 Minuten Handarbeit nicht mal einen Euro.
Ein PKW-Reifen besteht aus Kunstgummi, Russ und Kunstfasern (alles Erdölprodukte) und ein wenig Stahl für den Gürtel. Moderne Gummimischungen enthalten auch noch Silikate (Silica). Dadurch wird ein besseres Nassbremsen erreicht.
Teurer Naturkautschuk wird nur noch in LKW-Reifen verwendet (dort braucht man ihn wg. der höheren Abriebfestigkeit).
Aber auch auf andere Weise sind die geringen Herstellungskosten nachvollziehbar:
Der Nankang Econex NA-1 in 175/80 R15 ist 3 mm breiter als ein 185 R 15 XVS und hat fast den gleichen Abrollumfang.
Den Testberichten nach zu urteilen besitzt er vermutlich sogar eine Silica-Gummimischung.
Er verursacht also in etwa die gleichen Herstellungskosten wie der XVS, kostet aber bei reifendirekt.de nur 37.– € netto bzw. 44,– € brutto.
Die Herstellungskosten werden also deutlich unter 20,– € liegen, sonst könnte man ihn nicht aus Taiwan importieren und hier für den o.g. Preis verkaufen.
--------
Wenn man einen ID19 ohne Servolenkung besitzt und nicht 235,– € pro Reifen für einen 180 R 15 XAS investieren will, dann wäre das eine sehr preiswerte Alternative.
Für den 175 R 15 gibt es eine Freigabe von Citroën für DS und ID 19.
Der o.g. Reifen besitzt den Geschwindigkeitsindex "S" (bis 180 km/h). Ihn darf man also nur beim ID19 und älteren DS aufziehen, sonst gibt es Ärger mit dem TÜV.
Ansonsten würde ich wohl den Retro Classic 001 in 185/80 R 15 vorn und 165/80 R 15 hinten nehmen (die vom Rohling her vermutlich baugleich mit dem Nankang Econex NA-1 sind, aber in einer anderen Form vulkanisiert wurden), die es inzwischen fast zum gleichen Preis auch mit 2 cm breiten Weißwandring gibt.
Oldtimer-Reifenhändler verlangen für Michelin mit aufvulkanisierten Weißwandringen pro Stück ca. 350,– € mehr, als die Retro Classic 001 kosten.
So ein Weißwandring kostet im Einkauf nur wenige Euro. Der wird auf die Seitenwand aufvulkanisert und der Reifen mit Felge anschließend in eine Art Drehbank gespannt.
Dann wird der Gummi des Rings an den Enden etwas abgedreht, so die gewünschte Breite entsteht und es gut aussieht.
Für max. 15 Minuten Arbeit und 10,– € Material 200,– € Aufpreis zu verlangen, empfinde ich ebenfalls als "Abzocke".
--------
185 R 15 C ist eine Leicht-LKW-Größe mit erhöhter Tragfähigkeit. Die wird durch zusätzliche Textillagen in der Karkasse und der Lauffläche erzielt. Dadurch sind solche Reifen wesentlich steifer als PKW-Reifen und werden sich auf dem DS durch Poltern bemerkbar machen.
Außerdem besitzten die üblicher Weise nur die Geschwindigkeitsindizes "Q" oder "R". Die könnte man also nur als Ganzjahresreifen (wird m.E. aber gar nicht angeboten) oder Winterreifen draufziehen und man müsste dann für den TÜV einen Aufkleber (max. 160 km/h) auf den Tacho kleben. Solche Aufkleber gibt es im Reifenhandel.
Da so ein Winterreifen auch mind. 100,– € kostet, lohnt sich das Ganze nicht, wenn man bereits für 72,– € den von mir genannten, modernen Uniroyal-Reifen in 195/80 R 15 mit Geschwindikeitsindex "H" bekommt.
--------
Pit hat geschrieben:
Hallo Namenloser,
das hört sich interessant an.
Ich fahre vorne 205/65/15, hinten 185/65/15 und würde gerne wieder auf schmälere Reifen umrüsten. Mit dem Abrollumfang komme ich eigentlich klar.
Den von dir genannten 195/80/15 finde ich interessant. Da du dich ja intensiv mit dem Thema beschäftigt hast, kannst du mir sicher ein paar Fragen beantworten:
Fährst du den Reifen schon? Wie sind deine Erfahrungen? Er hat Lastindex 96 und ist für schwere SUV gedacht. Ist er nicht etwas hart auf der DS?
Ist der geeigneter als ein 195/70/15 97 RF ?
z.B. Uniroyal Rain Max 195/70 R15 97T RF für 58,79 € ?
Muss man die Größe extra eintragen lassen? Hast du das gemacht? Passt der 195 er hinten unter den Kotflügel (bei Bj. 68) ?
Woher hast du die genauen Angaben zu den einzelnen Reifengrößen?
Viele Grüße,
pit
Nein, den 195/80 R 15 96 H "Uniroyal rallye 4x4 street" habe ich selbst noch nicht ausprobiert.
Eine Eintragung in die Fahrzeugpapiere wird problemlos sein. Der Reifen ist wesentlich schmaler als ein 205/65 R 15. Der Abrollumfang ist minimal größer als beim 180 R 15 XAS.
Die Reifen dürfen natürlich weder vorn, noch hinten und auch nicht bei eingeschlagenen Rädern irgendwo schleifen. Evtl. muss der Lenkradeinschlag begrenzt werden.
Und der Tacho darf nicht weniger als die tatsächliche Geschwindigkeit anzeigen, was sicherlich nicht der Fall sein wird, da die DS-Tachos meist erheblich vor gehen. Falls nicht, muss der Tache nachjustiert werden.
---
Unter Kotflügel aus dem Jahr 1968 passt der Reifen sicherlich nicht ohne Modifikation, – Dein jetziger 185/65 R 15 aber auch nicht. Denn der ist auf einer 5"-Felge 192 mm breit, also noch 6 mm breiter als ein 185 R 15 XVS auf einer 5.5"-Felge, der normaler Weise nicht unter einen 1968er Kotflügel passt.
Der originale 165 R 15 XAS auf der 5"-Felge ist lediglich 167 mm breit.
Der 195 R 15 ist auf der 5"-Felge 199 mm breit, also 7 mm breiter als Dein jetziger 185/65 R 15.
Dabei muss man beachten, dass sich die Breitenangaben im Allgmeinen an der ETRTO orientieren (außer bei Michelin, die geben bei PKW-Reifen immer die tatsächlichen Abmessungen an). Reifen können in der Realität also durchaus etwas schmaler sein.
---
Die Reifengröße 195/70 R15 ist genauso breit wie der 195 R 15. Bringt da für Dich also keinen Vorteil.
Der Abrollumfang ist jedoch wesentlich geringer. Fast so klein wie beim 165 R 15.
Der "Uniroyal Rain Max 195/70 R15 97T RF" ist ein Kleinbus- und Transportreifen, der schon seit Jahrzehnten gebaut wird. Der sicherlich von der Gummimischung her nicht schlecht ist, aber von der Profiltechnologie (z.B. Aquaplaning-Verhalten) 30 Jahre vom "Uniroyal rallye 4x4 street" entfernt liegt.
13,– € sparen bringt da nichts, zumal er sich polteriger als der 195 R 15 fahren wird, der sowieso von der Optik her viel besser zum DS passt. Außerdem wirst Du das wesentlich niedrigere Drehzahl- und Geräuschniveau genießen.
---
Die Angaben zu den Reifengrößen kann man den Normen der ETRTO entnehmen.
Ich besitze zudem eine größere Sammlung an "Technischen Reifen-Ratgebern" von diversen Reifenhersteller aus den 80er und 90er Jahren, in denen die alten Größen noch drin sind.
Man findet einige aber auch noch in aktuellen Versionen z.B. im Conti Reifen-Ratgeber PKW, den man hier als PDF runterladen kann:
Conti Reifen-Ratgeber PKW 2019-2020
sowie online auf der Website des Michelin-Oldtimerreifen-Programms:
Technische Daten der Michelin PKW-Oldtimerreifen