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Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Sa 11. Okt 2014, 20:02
von DS20_break
sorry, hab leider keine Tipps, ich finde mein Physikbuch 5. Klasse nicht mehr.

Physikbuch 5. Klasse
Verfasst: Sa 11. Okt 2014, 21:46
von patric
... also ich für meinen Teil bin da gar nicht beleidigt, ich hätte nur gerne mal die Fehler konkret benannt.
Re: Physikbuch 5. Klasse
Verfasst: Sa 11. Okt 2014, 21:53
von DS20_break
ich bin auch nicht beleidigt. Meinen Kreativvorschlag habe ich ja weiter oben schon gebracht. Ich warte auch auf die Angabe wo der Übersetzungsfehler ist, ich möchte meine Französischkenntnisse verbessern.
Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Sa 11. Okt 2014, 22:36
von Ekki
DS20_break hat geschrieben:
sorry, hab leider keine Tipps, ich finde mein Physikbuch 5. Klasse nicht mehr.

Ist ja bald Weihachten...
http://www.ebay.de/itm/Prisma-Physik-Sc ... 3a9859dc3f
Gruß,
Ekki
Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Sa 11. Okt 2014, 23:16
von DS20_break
Re: Physikbuch 5. Klasse
Verfasst: Sa 11. Okt 2014, 23:47
von Ekki
patric hat geschrieben:
... also ich für meinen Teil bin da gar nicht beleidigt, ich hätte nur gerne mal die Fehler konkret benannt.
Ich mache mal den Anfang:
Hier z.B.:
„Bei Fahrzeugen früher Produktion wurde LHV (Liquide Hydraulique Vegetal) verwendet, eine rote Flüssigkeit, die im Grunde aus Bremsflüssigkeit und Rizinusöl als Verdickungsmittel bestand.“
Das suggeriert, das LHV eine Glykolbasierte DOT3 Mixtur war. Tatsächlich ist LHV aber ein Pflanzenöl (wie der Name eigentlich schon sagt) auf Rizinusbasis, was DOT2 entspricht. Dieses wurde (wahrscheinlich mit Alkoholen) auf die richtige Viskosität verdünnt und kältebeständiger gemacht.
„DOT 3 / Bremsflüssigkeit mit Rizinusöl als Verdicker / Schmiermittel“ ist vielmehr die richtige Umschreibung für LHS2, siehe Pentosin Webseite, dort schreibt der Hersteller höchstpersönlich: „Pentosin L.H.S. 2 ist eine Hochdruck-Hydraulikflüssigkeit auf Basis von Polyglykolen und Rizinusöl“
Oder hier:
„Diese Flüssigkeiten erwiesen sich als problematisch , weil sie hygroskopisch sind und wenn sie nicht regelmäßig gewechselt werden führt das zu Korrosion und Schäden an der Anlage,“
Wie UR-DS Fahrer nun schon bestätigten, ist LHV eben nicht hygroskopisch. Meine Recherchen ergaben ebenfalls, dass Pflanzenöle auf Rizinusbasis in der Tat nicht hygroskopisch sind (auch nicht mit Alkohol).
Das Hygroskopie-Problem mit all seinen negativen Nebeneffekten für die DS kam dann erst mit LHS2 (weshalb wir ja davon weg wollen).
Gruß,
Ekki
Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Mo 13. Okt 2014, 21:56
von MichaIN
Hallo zusammen,
nochmal zum LHS(2). Ein citroënaffiner Bekannter mit Chemiehintergrund hat mir das mal so erklärt.
Demzufolge ist nicht das aufgenommene Wasser quasi als Wasser an sich das Problem, sondern es reagiert mit dem LHS zu Carbonsäure:
"soweit mir bekannt ist LHS chemisch ähnlich wie Bremsflüssigkeit (aber eben keine DOT 1,2,3,4 –Bremsflüssigkeit, deshalb nicht austauschbar). Für Bremsflüssigkeit gilt:
Sie besteht überwiegend aus Ester.
Diese Ester entstehen durch die sog. Carbonsäureveresterung, d.h. ein Carbonsäuremolekül und ein Alkoholmolekül verbinden sich zu einem Estermolekül und spalten dabei ein Wassermolekül ab.
Leider handelt es sich dabei um eine sog. Gleichgewichtsreaktion.
D.h., die Reaktion findet nicht vollständig statt, sondern es gibt ein Gleichgewicht von x% Carbonsäure und Alkohol auf der einen und y% Ester und Wasser auf der anderen Seite.
Wieviel % von was hängt von den Carbonsäuren und Alkoholen ab und wohl auch geringfügig von der Temperatur.
Bremsflüssigkeit enthält neu erst einmal kein Wasser, ist aber bestrebt, den Gleichgewichtszustand zu erreichen, indem es Wasser aus der Umgebung (Luft) bindet und sich dann wieder zu Alkohol und Carbonsäure aufspaltet. Wasser, Alkohol und Carbonsäure sind leider aber für die Teile der Bremsanlage korrosiv bzw. greifen die Dichtungen an.
Ester wird also mit Einwirkung von Wasser zu Carbonsäure und Alkohol.
Je nach Wassermenge wird dieses nahezu vollständig umgesetzt oder es bleibt etwas in Lösung.
Letzteres ist wg. Korrosion schädlich.
Die Carbonsäure ist nicht sehr stark, aber Carbonsäure und Alkohol haben die Eigenschaft, sowohl in Dichtungswerkstoffe einzudiffundieren als auch Bestandteile (z.B. Weichmacher) herauszulösen – je höher der Druck und die Temperatur, desto stärker."
Meine Chemiekenntnisse sind leider rudimentär, aber ich finde es klingt plausibel.
Das Problem ist aber nicht nur die Verfügbarkeit der Flüssigkeit, sondern auch die Beständigkeit der Dichtungen. Ich hatte mich letzt mit Herrn Petermann ausgetauscht, er sagt, daß er selbst inzwischen Probleme hat, vernünftige EPDM-Dichtringe zu finden. Beim selben Lieferanten wie früher gekauft halten die neuen nicht mehr.
Ob Ur-LHS (LHV/HP19/"LHS1") wirklich weniger aggressiv zu Dichtungen und (nach Austritt) der Umgebung ist bzw. war, wage ich noch zu bezweifeln, ich denke, an dem schlechten Ruf der frühen Hydraulik zu Lebzeiten ist doch was dran (meine Meinung).
Kann einer der Ur-LHS-Nutzer was zur korrosiven und abbeizenden Wirkung im Wirkbereich nach Lecks sagen?
Wenn die russische Hydraulikflüssigkeit was taugt, wär's vor allem interessant wenn es günstig, mischungskompatibel mit Rest-LHS2 in den Leitungen und Bauteilen ist und weniger schlechte Auswirkungen auf Blech, Lack und Dichtungen hat.
Aber wenn tatsächlich alles überholt wird, ist LHM m.E. der richtigere Weg.
Übrigens habe ich früher mal lose in einem amerikanischen Citroën-Forum mitgelesen, war erstaunlich was die alles ins Auto gekippt hatten, Silikonöle, Bremsflüssigkeiten aller DOT-Zahlen mit und ohne Rizinus, und u.a. auch ATF. Das ist übrigens auch rot
Viele Grüße,
Michael (LHS2/2000-Fahrer).
Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Di 14. Okt 2014, 08:35
von rsa404
MichaIN hat geschrieben:
Hallo zusammen,
nochmal zum LHS(2). Ein citroënaffiner Bekannter mit Chemiehintergrund hat mir das mal so erklärt.
Demzufolge ist nicht das aufgenommene Wasser quasi als Wasser an sich das Problem, sondern es reagiert mit dem LHS zu Carbonsäure:
"soweit mir bekannt ist LHS chemisch ähnlich wie Bremsflüssigkeit (aber eben keine DOT 1,2,3,4 –Bremsflüssigkeit, deshalb nicht austauschbar). Für Bremsflüssigkeit gilt:
Sie besteht überwiegend aus Ester.
Diese Ester entstehen durch die sog. Carbonsäureveresterung, d.h. ein Carbonsäuremolekül und ein Alkoholmolekül verbinden sich zu einem Estermolekül und spalten dabei ein Wassermolekül ab.
Leider handelt es sich dabei um eine sog. Gleichgewichtsreaktion.
D.h., die Reaktion findet nicht vollständig statt, sondern es gibt ein Gleichgewicht von x% Carbonsäure und Alkohol auf der einen und y% Ester und Wasser auf der anderen Seite.
Wieviel % von was hängt von den Carbonsäuren und Alkoholen ab und wohl auch geringfügig von der Temperatur.
Bremsflüssigkeit enthält neu erst einmal kein Wasser, ist aber bestrebt, den Gleichgewichtszustand zu erreichen, indem es Wasser aus der Umgebung (Luft) bindet und sich dann wieder zu Alkohol und Carbonsäure aufspaltet. Wasser, Alkohol und Carbonsäure sind leider aber für die Teile der Bremsanlage korrosiv bzw. greifen die Dichtungen an.
Ester wird also mit Einwirkung von Wasser zu Carbonsäure und Alkohol.
Je nach Wassermenge wird dieses nahezu vollständig umgesetzt oder es bleibt etwas in Lösung.
Letzteres ist wg. Korrosion schädlich.
Die Carbonsäure ist nicht sehr stark, aber Carbonsäure und Alkohol haben die Eigenschaft, sowohl in Dichtungswerkstoffe einzudiffundieren als auch Bestandteile (z.B. Weichmacher) herauszulösen – je höher der Druck und die Temperatur, desto stärker."
Meine Chemiekenntnisse sind leider rudimentär, aber ich finde es klingt plausibel.
Viele Grüße,
Michael (LHS2/2000-Fahrer).
Hallo Michael,
vielen Dank, ein wirklich sehr interessanter Beitrag, der die gravierenden Nachteile von LHS-2 ja eindeutig bestätigt und sich mit den Erfahrungen zahlreicher Fahrzeugbesitzer deckt.
Schöne Grüße,
Ralf
Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Di 14. Okt 2014, 08:47
von rsa404
>Das Problem ist aber nicht nur die Verfügbarkeit der Flüssigkeit, sondern auch die Beständigkeit der Dichtungen. Ich hatte mich letzt mit Herrn Petermann ausgetauscht, er sagt, daß er selbst inzwischen Probleme hat, vernünftige EPDM-Dichtringe zu finden. Beim selben Lieferanten wie früher gekauft halten die neuen nicht mehr.Ob Ur-LHS (LHV/HP19/"LHS1") wirklich weniger aggressiv zu Dichtungen und (nach Austritt) der Umgebung ist bzw. war, wage ich noch zu bezweifeln, ich denke, an dem schlechten Ruf der frühen Hydraulik zu Lebzeiten ist doch was dran (meine Meinung).
Kann einer der Ur-LHS-Nutzer was zur korrosiven und abbeizenden Wirkung im Wirkbereich nach Lecks sagen?<
Da gibt es nichts zu bezweifeln, es gibt genügend Leute die entsprechende Erfahrungen über Jahrzehnte gesammelt haben. Die abbeizende Wirkung nach Lecks hingegen, ist bei LHV eher noch stärker.
Re: Citroën Hydraulikflüssigkeiten
Verfasst: Di 14. Okt 2014, 14:43
von Ekki
MichaIN hat geschrieben:
Wenn die russische Hydraulikflüssigkeit was taugt, wär's vor allem interessant wenn es günstig, mischungskompatibel mit Rest-LHS2 in den Leitungen und Bauteilen ist und weniger schlechte Auswirkungen auf Blech, Lack und Dichtungen hat.
Leider habe ich immernoch keine Bezugsquelle gefunden (bzw die antworten nicht). Ich habe aber rausgefunden, dass es verschieden Versionen gibt:
1) "Dot3" BSK: Polyglykol / Rizinus basierend. Klingt irgendwie bekannt, oder? Geizgeile wird es freuen, dass davon der Liter nur 3.- Euro kostet.
2) BSK-nc: Eine "moderne" Form von Rizinusöl und Zusätzen.
3) BSK "klassisch": Rizinus + n-Butanol, oder Rizinus + Isopentanol. (1L ca.10 bis 14.- Euro)
Version 1) ist höchstens für diejenigen interessant, denen LHS2 zu teuer ist oder wenn LHS2 mal irgendwann nicht mehr lieferbar ist. Vorteile technischer Natur sehe ich gegenüber LHS2 nicht, ist ja mehr oder weniger das gleiche.
Version 2) soll kompatibel zu alten Dichtungen sein. Aber manche quillen wohl. Nun weiß ich aber nicht, was die Russen in den letzten Jahrzehnten so an Dichtungsschrott verbaut haben.
Version 3) dürfte keine Probleme machen, außer bei extremer Kälte oder Hitze. Dichtungen wären sicher, Schmierung wäre super. Lackverträglicher wahrscheinlich nicht, schließlich wird Butanol auch als Lack-Verdünner eingesetzt.

Hersteller:
http://azot.by/en
In der Viskosität sind die Flüssigkeiten dicker als DOT3 Bremsflüssigkeit, aber dünner als LHS2, also ziemlich genau dazwischen. Müsste man also ggfls. "nachoptimieren". Mischungskompatibilität mit LHS2 müsste man vorher testen.
Gruß,
Ekki