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Re: Zu viel Kompression auf 3. Zylinder
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 01:26
von tomsail
hallo thorsten.karl,
ja, da möchte ich mich den vorrednern gern anschliessen!
wenn du sowas hörst:
>Naja, der Schraubermeister meint, dass das Auslassventil nicht genug öffnet
>und dadurch eine zu hohe Kompression zustande kommt.
den mann hätte ich gern bei uns hier in der firma in der motorententwicklung, denn der hat gerade ein "perpetuum-mobile" erfunden!!!
>Das wiederum kommentierte Meister Lauth mit dem Satz: Ich hatte noch eine
>DS mit eingelaufener Nockenwelle.
wieviele DS hatte "Meister Lauth" denn in den letzten 30 jahren in seiner werkstatt???
ich nehme an es waren nicht mehr als zwei stück!!
(evtl. nur zum scheibenwaschwasser nachfüllen??)
grüße
thomas
Re: Zu viel Kompression auf 3. Zylinder
Verfasst: Do 20. Jan 2011, 10:55
von symphatique
Hallo Thorsten.karl,
die Nockenwellen sind erstaunlich standfest, trotz der oftmals in der Lauffläche beschädigten Stößel(becher).
Vergleichbare Kompressionstestwerte lassen sich nur durch gleich ablaufende Tests herstellen.
Auf die Gefahr hin, daß ich die "Profis" mit dem Folgenden langweile, beschreibe ich trotzdem mal die Vorgehensweise:
Motor kalt,
Kerzenschächte mit Pressluft ausblasen (es sammelt sich erstaunlich viel Dreck dort, der dann die Abdichtung des Testers beeinträchtigt),
alle Kerzen raus,
einen möglichst einschraubbaren Tester eindrehen,
für Vergaser-Vollgasstellung sorgen ( entweder Helfer tritt Pedal oder selbst Gestänge drücken, bei Halbautomat erst "entkuppeln", also den kleinen Hebel in der Lenksäulenverkleidung Unterseite nach vorn und oben drücken),
wenn vorhanden, Starterrelaisknopf am Pluspol drücken oder Steckverbindung des Erregerkabels des Anlassers i.H. des Pluspoles trennen und zum Anlasserdrehen auf den Pol halten,
!! die Skala des KomprTesters beobachten !!,
der Zeiger soll schon bei den ersten zwei Umdrehungen/Kolbenhüben in die Nähe des Maximalwertes wandern,
weiteres Orgeln/Pumpen ist eigentlich nur Ergebniskosmetik,
bei allen anderen Zylindern gleich vorgehen,
VOLLGASGEBEN nicht vergessen!,
wichtiger als Spitzenwerte ist die Gleichmäßigkeit aller Werte auf hohem Niveau,
Kerzen wieder rein,
lange warmlaufen lassen, besser noch 20KM fahren,
ganze Prozedur nochmal durchführen,
danach wieder Kerzen rein, fahren, damit er wieder richtig warm ist, Ventile einstellen und ein weiteres Mal K. testen,
wenn es weiterhin schlechte/ungleichmäßige Werte ergibt, mit Spritzkanne ein paar kräftige Spritzer Motoröl durch´s Kerzengewinde in die Zylinder geben, erneut messen. Durch das Öl wird eine kurzzeitige Abdichtung zwischen Kolben und Zylinder hergestellt, daurch deutlich bessere K.werte deuten auf erhöhten Verschleiss oder auf durch Bruch schlecht abdichtende Kolbenringe hin.
Ich habe diese Vorgehensweise einem leider nicht mehr praktizierenden Motorenprofi abgeschaut, ist zwar aufwendig, aber aussagekräftig. Werkstätten sind da aus Kostengründen leider oft nicht so sorgfältig.
Weiteres Indiz für verschlissene Laufbahnen ist eine Ölpfütze im Luftfilterunterteil, die sich durch das "Ausatmen" des Motordunstes durch die Ventildeckel"pfeife" niederschlägt.
Ist Dein Schraubergott denn mit Göttinen vertraut, oder ist Deine Madame die Einzige in seiner Kundschaft?
Die Beurteilung von Motorzuständen ist auch ein Vergleichen, das aber nur Sinn macht, wenn es unter seinesgleichen geschieht. Mein Daimler läuft mit identischen Werten nämlich auch anders...
Re: Zu viel Kompression auf 3. Zylinder
Verfasst: Fr 21. Jan 2011, 19:17
von Henriette
Hallo sympatique,
Du schriebst "Auf die Gefahr hin, daß ich die "Profis" mit dem Folgenden langweile,"...
Mag sein, aber für Schrauberneulinge wie mich, die halbe Nächte mit offenem Mund in tomsails Garage verbringen (bei der Gelegenheit: @tomsail: wann gibt´s mal wieder ein update?) und einigen Freds hier nur mit Mühe folgen können, sind solche Beiträge sehr wichtig.
Wollte ich doch mal angemerkt haben.
Schwebende Grüße
Chris