Re: Feuerlöscher
Verfasst: Sa 14. Sep 2019, 12:37
Ich lese die ganze Zeit interessiert mit und möchte an dieser Stelle meine Erfahrungen dazu beitragen.
Ich hatte bisher selbst 2 eigene Fahrzeugbrände und war Zeuge von mehreren Bränden an anderen Fahrzeugen. Jeder Vorfall hatte unterschiedliche Gründe und auch unterschiedliche Auswirkungen, so dass die Einsatzmöglichkeiten und die Wirkungsweise zum Einsatz eines Feuerlöschers sehr unterschiedlich waren. Allen Fällen gemeinsam aber ist, dass nur wirklich schnelles und besonnenes Handeln hilft. Zeitfenster von 5 oder 15 Minuten klingen gut in der Theorie, im Falle eines Falles aber läuft die Zeit von der ersten Sekunde an. Egal welcher Vorfall der Auslöser für ein Feuer ist, nicht zu unterschätzen ist die „Schrecksekunde“ bis man realisiert, was gerade passiert. Ist der Auslöser ein Unfall kommt noch eine „Schocksekunde“ hinzu, die durchaus mehrere Minuten andauern kann. Ist man nicht selbst Betroffener, sondern kommt zu einem Brandfall hinzu, ist meistens auch schon einige Zeit vergangen.
Nach meiner Erfahrung gibt es 2 Hauptfaktoren, die ein Feuer in einem Fahrzeug auslösen können: Benzin und Strom.
Beide sind in ihrer Wirkung und Ausbreitungsgeschwindigkeit unterschiedlich und erfordern u.U. auch unterschiedliche Herangehensweisen.
Feuer, das durch Benzin ausgelöst wird brennt sichtbar, der Brandherd ist also in den meisten Fällen zu erkennen. Die Entzündungstemperatur von Benzin (die Temperatur bei der sich Benzin beim Kontakt mit einer heißen Oberfläche selbst entzündet) liegt bei ca. 220°C – 460°C. Ein Auspuff kann im Stand bis ca. 500°C, im Fahrbetrieb ca. 100°C bis 300°C erreichen. Das bedeutet, kommt Benzin mit dem heißen Auspufftrakt im Berührung, entzündet es sich in den meisten Fällen und die hohen Temperaturen schädigen unmittelbar dann auch alle in der Nähe befindlichen Kunststoff- und Gummiteile. Brennt ein Benzinfeuer nach oben weg, tropft verflüssigter Kunststoff nach unten und verursacht dort weitere Schäden. Oder entwickelt neue Brandherde, denn auch lackierte Oberflächen, sowie Öle und Fette (Hohlraumkonservierung) können sich so entzünden.
Es ist also immer schnelles Handeln angesagt, denn der Point of no return, der Punkt, an dem das Feuer mit dem eigenen Feuerlöscher nicht mehr erfolgreich bekämpft werden kann, ist schnell erreicht. 2000 Gramm Löschpulver sind nicht viel und wenn man den Brandherd nicht wirklich gezielt bekämpft, verpufft im wahrsten Sinne des Wortes das meiste davon ohne Wirkung.
Als Zeuge eines Auffahrunfalles könnte ich sehen, wie innerhalb von Sekunden Flammen auf allen Seiten der deformierten Motorhaube heraus schlugen, nach wenig mehr als einer Minute brannte bereits der komplette vordere Teil des Fahrzeugs. Jeder Löschversuch war hier sinnlos und die einzige Maßnahme bestand nur noch die Bergung der Insassen. Es ist also immer abzuwägen, ob dieser Punkt schon bereits erreicht ist und andere Maßnahmen als die Feuerbekämpfung im Vordergrund stehen sollten.
Feuer, das im Stromnetz eines Fahrzeugs entsteht, brennt im Anfangsstadium oft nicht sichtbar, sondern kokelt und schmort, ohne dass Ort oder Quelle unmittelbar zu erkennen sind oder diese in unzugänglichen Bereichen (z.B. Armaturenbrett) liegen. Diese Brandherde sind viel schwieriger zu bekämpfen, da bereits eine Schädigung in Stromführenden Teile stattgefunden hat, bevor Qualm oder Geruch auf das Problem aufmerksam machen und die Bündelung von Kabeln begünstigt das Übergreifen auf weitere Bereiche des Stromnetzes. Solange ein Kabel nicht vollständig durchgebrannt ist (der Schmelzpunkt von Kupfer liegt bei über 1.000°C) oder ein Kurzschluss in einer der Sicherungen für die Unterbrechung der Stromzufuhr sorgt, kann sich ein Schmorbrand immer weiter durch den Kabelbaum fressen. Ein Batterietrennschalter kann hier mehr helfen als jedes Löschmittel, da er die primäre Brandursache sofort still legt. Ein Weiterschmoren der Kabelummantelung verhindert er allerdings nicht, hier muss dann ein Löschmittel zum Einsatz kommen.
Das nur leichte Anheben der Motorhaube bei einen Löschversuch im Motorraum ist im Prinzip richtig, allerdings „schützen“ beim D-Modell Reserverad, Kühler und Lüfter, sowie das vorne liegende Getriebe die Motorteile vor dem Einsatz des Löschmittels. Befindet sich das Feuer noch im Anfangsstadium ist es in meinen Augen sinnvoller den Brandherd zu identifizieren und dort gezielt zu löschen, als den gesamten Motorraum mit Löschmittel zu fluten. Der Einsatz einer Löschdecke und eines Feuerlöschers zur gezielten Bekämpfung von Brandnestern ist meines Erachtens die beste Methode – so der Brand noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Zudem verursachen Pulverlöscher Sekundärschäden, die u.U. größer sein können, als der eigentliche Brandschaden, da die Ablagerung der Löschsalze in Verbindung mit (Luft-)Feuchtigkeit zu starken Korrosionsschäden führen können.
Moderne Fahrzeuge können sich selbst professionellen Löschversuchen gegenüber sehr resistent erweisen. Ein im Innenraum brennender Jeep Cherokee widerstand allen Löschversuchen der Feuerwehr, da Magnesiumteile immer wieder für spektakuläre Funkenexpositionen sorgten, die das Feuer neu entfachten. Erst die Flutung des gesamten Fahrzeuges mit Löschschaum konnte dem Spuck ein Ende setzen.
Gruß Frank
Ich hatte bisher selbst 2 eigene Fahrzeugbrände und war Zeuge von mehreren Bränden an anderen Fahrzeugen. Jeder Vorfall hatte unterschiedliche Gründe und auch unterschiedliche Auswirkungen, so dass die Einsatzmöglichkeiten und die Wirkungsweise zum Einsatz eines Feuerlöschers sehr unterschiedlich waren. Allen Fällen gemeinsam aber ist, dass nur wirklich schnelles und besonnenes Handeln hilft. Zeitfenster von 5 oder 15 Minuten klingen gut in der Theorie, im Falle eines Falles aber läuft die Zeit von der ersten Sekunde an. Egal welcher Vorfall der Auslöser für ein Feuer ist, nicht zu unterschätzen ist die „Schrecksekunde“ bis man realisiert, was gerade passiert. Ist der Auslöser ein Unfall kommt noch eine „Schocksekunde“ hinzu, die durchaus mehrere Minuten andauern kann. Ist man nicht selbst Betroffener, sondern kommt zu einem Brandfall hinzu, ist meistens auch schon einige Zeit vergangen.
Nach meiner Erfahrung gibt es 2 Hauptfaktoren, die ein Feuer in einem Fahrzeug auslösen können: Benzin und Strom.
Beide sind in ihrer Wirkung und Ausbreitungsgeschwindigkeit unterschiedlich und erfordern u.U. auch unterschiedliche Herangehensweisen.
Feuer, das durch Benzin ausgelöst wird brennt sichtbar, der Brandherd ist also in den meisten Fällen zu erkennen. Die Entzündungstemperatur von Benzin (die Temperatur bei der sich Benzin beim Kontakt mit einer heißen Oberfläche selbst entzündet) liegt bei ca. 220°C – 460°C. Ein Auspuff kann im Stand bis ca. 500°C, im Fahrbetrieb ca. 100°C bis 300°C erreichen. Das bedeutet, kommt Benzin mit dem heißen Auspufftrakt im Berührung, entzündet es sich in den meisten Fällen und die hohen Temperaturen schädigen unmittelbar dann auch alle in der Nähe befindlichen Kunststoff- und Gummiteile. Brennt ein Benzinfeuer nach oben weg, tropft verflüssigter Kunststoff nach unten und verursacht dort weitere Schäden. Oder entwickelt neue Brandherde, denn auch lackierte Oberflächen, sowie Öle und Fette (Hohlraumkonservierung) können sich so entzünden.
Es ist also immer schnelles Handeln angesagt, denn der Point of no return, der Punkt, an dem das Feuer mit dem eigenen Feuerlöscher nicht mehr erfolgreich bekämpft werden kann, ist schnell erreicht. 2000 Gramm Löschpulver sind nicht viel und wenn man den Brandherd nicht wirklich gezielt bekämpft, verpufft im wahrsten Sinne des Wortes das meiste davon ohne Wirkung.
Als Zeuge eines Auffahrunfalles könnte ich sehen, wie innerhalb von Sekunden Flammen auf allen Seiten der deformierten Motorhaube heraus schlugen, nach wenig mehr als einer Minute brannte bereits der komplette vordere Teil des Fahrzeugs. Jeder Löschversuch war hier sinnlos und die einzige Maßnahme bestand nur noch die Bergung der Insassen. Es ist also immer abzuwägen, ob dieser Punkt schon bereits erreicht ist und andere Maßnahmen als die Feuerbekämpfung im Vordergrund stehen sollten.
Feuer, das im Stromnetz eines Fahrzeugs entsteht, brennt im Anfangsstadium oft nicht sichtbar, sondern kokelt und schmort, ohne dass Ort oder Quelle unmittelbar zu erkennen sind oder diese in unzugänglichen Bereichen (z.B. Armaturenbrett) liegen. Diese Brandherde sind viel schwieriger zu bekämpfen, da bereits eine Schädigung in Stromführenden Teile stattgefunden hat, bevor Qualm oder Geruch auf das Problem aufmerksam machen und die Bündelung von Kabeln begünstigt das Übergreifen auf weitere Bereiche des Stromnetzes. Solange ein Kabel nicht vollständig durchgebrannt ist (der Schmelzpunkt von Kupfer liegt bei über 1.000°C) oder ein Kurzschluss in einer der Sicherungen für die Unterbrechung der Stromzufuhr sorgt, kann sich ein Schmorbrand immer weiter durch den Kabelbaum fressen. Ein Batterietrennschalter kann hier mehr helfen als jedes Löschmittel, da er die primäre Brandursache sofort still legt. Ein Weiterschmoren der Kabelummantelung verhindert er allerdings nicht, hier muss dann ein Löschmittel zum Einsatz kommen.
Das nur leichte Anheben der Motorhaube bei einen Löschversuch im Motorraum ist im Prinzip richtig, allerdings „schützen“ beim D-Modell Reserverad, Kühler und Lüfter, sowie das vorne liegende Getriebe die Motorteile vor dem Einsatz des Löschmittels. Befindet sich das Feuer noch im Anfangsstadium ist es in meinen Augen sinnvoller den Brandherd zu identifizieren und dort gezielt zu löschen, als den gesamten Motorraum mit Löschmittel zu fluten. Der Einsatz einer Löschdecke und eines Feuerlöschers zur gezielten Bekämpfung von Brandnestern ist meines Erachtens die beste Methode – so der Brand noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Zudem verursachen Pulverlöscher Sekundärschäden, die u.U. größer sein können, als der eigentliche Brandschaden, da die Ablagerung der Löschsalze in Verbindung mit (Luft-)Feuchtigkeit zu starken Korrosionsschäden führen können.
Moderne Fahrzeuge können sich selbst professionellen Löschversuchen gegenüber sehr resistent erweisen. Ein im Innenraum brennender Jeep Cherokee widerstand allen Löschversuchen der Feuerwehr, da Magnesiumteile immer wieder für spektakuläre Funkenexpositionen sorgten, die das Feuer neu entfachten. Erst die Flutung des gesamten Fahrzeuges mit Löschschaum konnte dem Spuck ein Ende setzen.
Gruß Frank