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Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 16:03
von Hans-Uwe Fischer
Boßhammer hat geschrieben:
[...] Genervt bin ich von den Bastelarien. Wenn auf Biegen und Brechen versucht wird, aus den alten Stücken einen neuen Golf zu bauen. 123, falsche Reifen, noch ein Ventilator, Zierleisten an der Seite, Zusatzsicherung, oder sogar Relais etc. Was soll das? [...]
In diesem Sinn
Grüße Ralph
... eigentlich habe ich das oben sehr allgemeinverständlich erklärt.
HUF
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 17:21
von M. Ferchaud
Meinen Rohdiamant, eine sehr originale DS 19 von 1958 mit viel Originallack habe ich in folgenden Bereichen modifiziert:
- Innenbeschichtung für den Tank
- Nachgerüstete Warnblinkanlage
- Hydraulikpumpe mit Nippel - statt Axialanschluss
- Elektronischer Regler für die Lichtmaschine
Übrigens sind viele, wie Ralph (Boßhammer) der Meinung, noch Originallack auf ihrer DS zu haben. In den meisten Fällen reicht ein kundiger Blick, um diese stolz zum Besten gegebene Annahme zu zerstreuen. Den oftmals wurde zu alltäglichen Lebzeiten des Fahrzeugs ein-, zweimal drüberlackiert, was authentisch aussieht und auch authentisch ist, aber eben nicht mehr originaler Werkslack.
An meiner DS sind definitiv noch werkslackiert: Alle Türen, Kotflügel vorn rechts, Kofferraumklappe, Dach.
Zeitgenössisch repariert: Motorhaube und Kotflügel vorn links
Neu von mir lackiert und nachträglich künstlich patiniert: alle übrigen TEile
Diesen alten, nunmehr 58 Jahre alten Lack im "Alltag" zu konservieren ist eine wahre Herausforderung und bei annähernd "normaler" Benutzung fast nicht umsetzbar: Schon wenige Tage intensiver Sonne oder leichter Feuchtigkeit lassen den so gut wie möglich polierten und gewachsten Lack erneut stumpf werden, lassen Kunststoffteile erblinden und ihre Form verlieren...
Die Sitze wurden ebenfalls vor dem Kauf in neuem "Helanca bleu foncé" bezogen, was einerseits schade ist. Wenn ich mir den innerhalb eines halben Jahres quasi unaufhaltsamen Verfall der noch originalen Beifahrerarmlehne ansehe, ist es allerdings gut so.
Ansonsten bin ich ein überzeugter Anhänger von guten gebrauchten oder NOS-Bauteilen und vermeide Nachbauschrott.
Auch die oftmals aus Verzweiflung eigesetzte Umbaumaßnahme auf 1-2-3-Zündung ist zumeist ein aus Unwissenheit vorgenommener Eingriff, ohne die wahre Ursache des Fehlers zu erkennen.
Viele Grüße
Henning
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 19:12
von oliverf
Originalität und Nutzung/Nutzbarkeit müssen nicht widersprüchlich sein. Ich kann manchem Vorredner hier nicht zustimmen.
Ich fahre meine 66er DS19A seit 4 Jahren und 40tkm und habe keine Modernisierungen vornehmen müssen, um 100% zuverlässig mit ihr unterwegs zu sein:
-keine 123 Zündung, nur 2 Satz Kontakte und 1 Kondensator
-keine Umrüstung auf LHM, ich fahre auf LHS2
-keine zusätzlichen Relais, H4 Lampen etc.. Ich finde das Licht gut, habe nur den Kabelbaum zwischen Lichtmaschine und Regler neu bauen müssen
-180er Reifen vorne und hinten 155, was an 185ern besser sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden
-kein Edelstahlauspuff, der originale Mittelschalldämpfer mit >>mit den originalen langen Endrohren
Was ich tatsächlich gemacht oder getauscht habe:
-neu überholte Servolenkung von Citrotech
-Kupplungskorrektor( der erste wurde nach 50 Jahren langsam undicht
-Bremssättel mit NOS Kolben und Dichtungen überholt
-neue Motorböcke 2x(sch...Reproteile)
-rechte Gelenkleitung(war noch die erste) hat manchmal getropft
-Druckregler neu abgedichtet(Stahl, war schon vor meiner Zeit von Citroën Werkstatt umgerüstet worden)
Mit dieser nicht hochgerüsteten DS war ich schon auf Mallorca, in Paris, Südfrankreich und, sofern das Wetter es zulässt, nutze ich sie im Alltag! Auch für weitere Strecken. Da mein Kühlsystem sauber ist, habe ich auch eine sehr wirksame Heizung!
Glücklicherweise ist die Außenhaut in Frankreich in den 80er mal nachlackiert worden( war wohl billiger als waschen). Am meisten haben mich die 2 deftigen Steinschläge geärgert, die ich dieses Jahr gefangen habe. Mit einem Erstlackauto würde ich aus Angst vor Schäden nicht so viel fahren.
Was mir fehlt?
-Drehmoment vom DX Motor
-ein längerer 4. Gang
Würde ich das umrüsten wollen? Nein, nicht das Auto soll mir angepasst werden, ich sollte mich auf das Auto einstellen. Das ist, finde ich, der richtige Weg.
Ich bin Originalitätsfetischist und habe wo nur möglich NOS-Teile verwendet und auf Nachfertigungen minderer Qualität verzichtet.
Wo mir aber die Hutkrempe hochgeht ist, wenn jemand vor mir steht und seine in D-dorf erworbenene Fantasiekreation als absolut originale DS verkaufen will, mitsamt dem in Wagenfarbe lackierten Armaturenbrett, sitzbeheizter Gummimöbellederausstattung und Twingo-Faltdach und den sonst noch so zusammengewürfelten Komponenten. An diesen Kisten ist m.E. die Originalität völlig verloren gegangen. Disneyland auf Rädern!
Ansonsten soll jeder sein Auto so genießen, wie er das möchte, ich will hier niemanden zu meiner Religion bekehren!
Gruß
oliverf
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 19:39
von Jint Nijman
An meine '68 DS19 Pallas ist folgendes nicht mehr original:
- Geteilter Auspuffkrümmer (Vorbesitzer).
- Zwei Lautsprecher in der Hutablage (Vorbesitzer)
- Die gesamte Lackierung (abgesehen vom Dach)
- 123 Zündung (ich).
- Warnblinkanlage mit elektronische LED-Blinkgeber (ich)
- Der Reissverschluss und die Zweispitznieten im/am Kühlertunnel

(ich).
- Die 5,5 Zoll Felgen: 5,0 Zoll Felgen liegen (noch unlackiert) bereit.
- Radio Sylt mit Schwanenhals (ich). Ein Continental Edison FM liegt bereit.
- Die Kofferaumverkleidung fehlt zur Zeit (ich). Die Originalteile liegen seit 20 Jahren im Keller.
- Die (teilbare) hintere Federkugeln haben leider keine Ausschraubbare Dämpfer
- Die Auschraubare Dämpfer der teilbare vordere Federkugel habe ich dieses Jahr weicher gemacht
- Der eine oder andere Hydraulik/Wasserschlauch wurde mal ersetzt
- Michelin XAS HR 180/15 hinten (das sollten Michelin XAS HR 155/15 sein, das kommt noch mal)
- Der zweireihige Kühler, sie leckte und wurde dieses Jahr durch ein dreireihige ersetzt.
- Die Lager in den vorderen Schwingarmen wurden durch Citrotech vor mehrere Jahren ersetzt.
Der Rest ist ziemlich original, z.B.:
- Die komplette Innenausstattung (nicht mehr super schön, aber ohne Löcher)
- Das Chassis ist bis auf der rechte hintere Stossstangenaufnahme und der rechte Kofferraumregenleiste ungeschweisst.
- Alle Karosserieteile (vermute ich)
- Scharnierbremsleitungen hinten (ersetzt durch NOS Teile)
- Michelin XAS HR 180/15 vorne
- Der Alu HD-Regler
- Keine Relais oder neue Kabel.
- Kein elektronischer Regler (liegt aber im Keller bereit).
Ich finde es schön das Auto so original wie möglich zu halten. Oder sogar wieder in der original Zustand zurück zu versetzen z.B die Felgen/Reifen, nur der wieder eingebaute manuelle Scheibenwischerpumpe funktioniert leider nicht...
Der am besten original erhaltene DS die ich jemals gesehen haben ware dieser hier:
DS 19 Nr. 18026 dieses Auto war damals definitiv noch nie neu lackiert.
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 19:42
von Bernhard(Süd)
Hallo Kollegen,
...ja die Auffassungen sind da schon recht individuell... ich finde zB. Hennings Mut zur weitestgehenden Original-Erhaltung prima und teile grundsätzlich Olivers Abneigung gegen Disneyland-DS, obwohl ich dafür vielleicht keinen ganz so harten Ausdruck (kicher...) wählen würde und die Fahrfreude der jeweiligen Besitzer auch sehr respektiere (Kuhnos Verbesserungen fände ich an meinem Auto deutlich zu weitgehend, aber Jeder wie er`s mag... und 10 PS mehr zum besser Mitschwimmen hab ich mir in meinem Langhuber auch schon gewünscht). Und das eine oder andere Relais... finde/fände ich schon sehr pragmatisch.
Ich fahre mit einer Schlauchleitung hinten (die solide Ausführung, die Herr Petermann einst geliefert hat) - heute würde ich eher die alte Gelenkleitung reparieren. Der blaue (gern auskreidende...) Lack ist in weiten Teilen tatsächlich original (drunter sieht man die Grundierung an ein paar Kanten...) und ich möchte dessen seidenmatte Patina auf gar keinen Fall missen. Die Sitzpolster sind rot und sehen sehr original und gut erhalten aus, obwohl es die DS in dieser Kombination nach Nuancierds niemals gegeben hat. Es wird wohl ein Rätsel bleiben, ob es vielleicht damals doch Sonderwünsche ab Werk gegeben hat oder fürs Interieur z.B. Lagerbestände "aufgebraucht" wurden. Die gelben Scheinwerferbirnen (noch die mit den Löchern in der Metallfassung zum Durchscheinen der Standlichtbirnchen,- recht schwierig neu zu bekommen) hat der TÜV nicht "bemerkt", die weissen Blinkerbirnchen vorn musste ich zwangsweise einsetzen.
Sonst fällt mir Nix Nicht-Originales ein... (klar wurden Reifen, Kugeln und Lenkung, vordere Radlager (NOS-Teile) sowie der Kühler mal getauscht; die Sitze behutsam nachgepolstert). Und sie fährt doch...
Grüße: Bernhard
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 19:44
von Bernhard(Süd)
...soll natürlich heissen:
...Sitzbezüge;
... die weissen Blinkerbirnchen ersetzen (gegen gelbe)
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 20:29
von Kuhno
Meine Autos sind für mich keine Religion, ich bin ohnehin Atheist und Pragmatiker, das Faltdach ist klasse im Sommer, die Sitzheizung bei Ledersitzen im Winter, das Kulturgutgetue geht mir am Boppes vorbei.
Optisch muss er original sein, das reicht mir völlig.
Der 55er Jaguar hat genau so viele Verbesserungen, das macht ihn langstreckentauglich, vor allem durch die elektrische Servolenkung von EZ Powersteering.
Lediglich der Aston Martin ist in jedem Detail original, so bleibt er auch, weil er einfach nahezu perfekt ist.
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 20:43
von Jint Nijman
Alle meine Jaugar und Aston Martin sind natürlich auch komplett original...
Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 21:11
von Kuhno
ein Auto ist ein Auto ist ein Auto - also letztendlich Blech und kein Fetisch.........

Re: Wieviel Originalität geht mit den Jahren verloren ?
Verfasst: Sa 5. Nov 2016, 21:19
von oliverf
[quote=Kuhno]
Optisch muss er original sein, das reicht mir völlig.
[/quote]
Steht das nicht im Widerspruch zum Twingo-Faltdach, dem in Wagenfarbe lackierten Armaturenbrett, der ID-Lenkradumrandung, den hinteren Kotflügeln, die eigentlich erst an ein Auto ab Modelljahr 69 gehören und diversen anderen Kleinigkeiten?:-)