Bremsen Kurzhuber

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Medi
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Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Bremsen Kurzhuber

Beitrag von Medi »

Hallo Sebastian,

ich weiß, das Rückstellen durch Scheibenschlag ist allgemein fest eingebrannt, Du kannst Dich aber ganz einfach beim nächsten Reifenwechsel (bei jedem beliebigen Fahrzeug) vom Gegenteil überzeugen.

Wenn Du kräftig aufs Pedal steigst, kannst Du gut erkennen wie sich die gesamte Vorrichtung verbiegt und der Kolben sichtbar rauskommt. Lässt man das Pedal los, muss der Weg der elastischen Verbiegung wieder abgebaut werden, die Beläge von der Scheibe ‚genommen’ werden und nicht zu vergessen, die Bremsflüssigkeit (egal ob LHM, DOT, …) muss aus dem Zylinder durch die dünne Bremsleitung wieder zurück zum Bremsventil / Vorratsbehälter gepresst werden. Diese Aufgabe übernimmt tatsächlich der Dichtring. Und dass er das kann erkennt man daran, dass man (bei intakter Anlage) unmittelbar nach Abbau des Bremsdrucks die Radnabe ganz leicht mit der Hand hin und her drehen kann.

In O-Ring-Katalogen kannst Du Berechnungsformeln und Tabellen dazu finden. Vor der ‚Gleitphase’ kommt es zuerst immer zur Verformung des Rings. Der daraus resultierende Weg hängt von Nut, Dicke des Rings, Reibwerten von Ring auf Kolben, Druck, etc. ab. Ein kleiner Schlag der Scheibe kann den Kolben gar nicht nachhaltig reindrücken, es wird nur der Ring verformt, der Kolben kommt danach wieder raus.

Das maximale Schlagmaß der Scheiben plus Lagerspiel soll unter dem Kolbenweg des Dichtrings bleiben, der Dichtring spielt also eine tragende Rolle.

L.G.
Dietmar
tomsail
Beiträge: 2236
Registriert: Di 4. Sep 2007, 13:45

Re: Bremsen Kurzhuber

Beitrag von tomsail »

Medi schrieb:
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> Hallo Sebastian,
>
> ich weiß, das Rückstellen durch Scheibenschlag ist
> allgemein fest eingebrannt, Du kannst Dich aber
> ganz einfach beim nächsten Reifenwechsel (bei
> jedem beliebigen Fahrzeug) vom Gegenteil
> überzeugen.
>

"jedes beliebige fahrzeug" hat aber rechteckringe :-)
die zeigen den effekt viel stärker als der O-ring der DS-bremse

grüße
thomas
---
Medi
Beiträge: 564
Registriert: Mi 18. Mai 2005, 16:24

Re: Bremsen Kurzhuber

Beitrag von Medi »

@ FPM, FKM (Viton)

Wie so oft hat jeder Vorteil auch ein Gegengewicht, es gibt (für mich) eine schier unüberschaubare Anzahl an FPM-Rezepturen. Je nach Härte und Hersteller scheint es große Unterschiede in der Beständigkeit gegen polare Lösungsmittel zu geben.

An einen CX-Ölkühler/Filter hatte ich aus thermischen Überlegungen mal FPM-Ringe verbaut. Der Besitzer hatte bei jedem Treffen die Motorhaube offen, der Motorraum wurde regelmäßig mit Bremsen- oder Motorreiniger ‚gespült’. Ich musste die Dichtungen 2-mal ersetzen. Nach dem Rückbau auf HNBR, das laut Datenblatt die Temperaturen gar nicht aushalten dürfte, war Ruhe.

Ein Blick ins Netz zeigt dass ich mit meinen Erfahrungen nicht alleine da stehe:
„ … dass das Material unbeständig gegen sogenannte niedermolekulare organische Säuren Essigsäure, Ameisensäure und u.a. gegen polare Lösungsmittel (wie z.B. Aceton usw..) ist. Daher ist anzunehmen, dass FPM-Ringe, die porös werden und nicht beständig sind, schon vor dem Einbau kaputtgereinigt worden sind. …“

Bevor man beim Belagwechsel den Bremskolben zurückrückt, ist eine gründliche Reinigung unerlässlich. Werkstätten halten hier gerne mit dem Lösungsmittel aus der Spraydose drauf. Das Zeug hat man dann satt im Filzring …

@ Thomas
Natürlich gibt es verschiedene konstruktive Unterschiede bei unterschiedlichen Dichtungsarten. Bei einem 1-Kolben Schwimmsattel muss ein Ring beispielsweise auch den doppelten Weg schaffen.
Reine Theorie, habe grad keine Teile zur Hand: Beim gemütlichem Schweben kommt man mit Bremsdrücken von rund 10bar aus. Bei O-Ringen würde ich dafür mindestens eine Verpressung von 20% vorsehen. Der BX/XM Rechteck-Ring hat rund 3mm, mit einer 20%-Verpressung des rund 5mm-DS-Rings ist man da gar nicht soooo weit weg…
Ist alles eine Frage der Auslegung.

Unterm Strich muss ganz einfach der Belag von der Scheibe weg - auch bei der DS. Und das funktioniert ausschließlich (!) über den Dichtring. Der Ring hat den Kolben immer (!) fest im Griff, mit und ohne Bremsdruck. Der Kolben rutscht an der Dichtung erst weiter wenn sich der Belag abgenützt hat. Dieses extrem geringe Weiterrutschen stellt also die ‚automatische Nachstellung’ bei Belagsabnützung dar.

L.G.
Dietmar
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Robert Verified
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Registriert: Mo 31. Jan 2005, 00:41

Re: Bremsen Kurzhuber

Beitrag von Robert Verified »

Liebe Gemeinde,

das mit der Druckluft ging perfekt (bis auf einen Kolben, der es dann doch hydraulisch wollte). Hätte nicht gedacht, dass das so einfach ist.

Nochmals Danke und viele Grüsse
Robert
'59 DS 19/'66 ID 19/'68 DS 21 Pallas/'71 SM /'71 SM in Arbeit/'84 Renault R4F6 in Arbeit/'96 Saab 900 CV/'98 BMW 1100 GS
Jint Nijman Verified
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Registriert: Fr 14. Feb 2003, 23:11

Re: Bremsen Kurzhuber

Beitrag von Jint Nijman Verified »

Medi schrieb:
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> ich weiß, das Rückstellen durch Scheibenschlag ist
> allgemein fest eingebrannt, Du kannst Dich aber
> ganz einfach beim nächsten Reifenwechsel (bei
> jedem beliebigen Fahrzeug) vom Gegenteil
> überzeugen.

Interessant, das wusste ich nicht. Was man hier so alles lernen kann!

Wenn ich mich richtig erinnere habe ich die Kolben mit Hilfe einer Fahrradpumpe herausbekommen. Das ging ohne groessere Probleme.

gruss

Jint
Jint
www.citroen-ds-id.com
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