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Göttin
nach Maß
Bald nach dem Traction-Kauf hatte sich 1986, wie Kai es mir beschrieb: "als
Alltags- und vor allem als Winterauto" die erste DS im Hause Seehafer
eingefunden, gefolgt von einer DS 23, die bis 1992 zum Fahrzeugpark gehörte.
Wer ich nicht kennt, traut Seehafer auf den ersten Blick vielleicht gar
nicht so viel Elan und Besessenheit zu. Doch Achtung: hier ist entschieden
ein Perfektionist
am Werke, wie man ihn anderswo lange suchen kann. Vor allem ästhetisches
Empfinden für den Gesamteindruck einer Sache ist bei diesem Göttinnen-Verehrer
festzustellen. Dieses bemerkend, wunderte es mich weniger, als Kai in aller Selbstverständlichkeit
erzählte: |
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"Ja, dann legte mir doch damals jener Mann diese Top-Scheinwerfer einfach
so auf den Schreibtisch. Weißt du, diese wunderschönen auch noch,
die mit den zwei H1-Einsätzen. Da habe ich nur gedacht: na gut, jetzt fehlt
nur noch das passende Auto drumherum, - baust du es dir halt."Denken mögen
so oder ähnlich ja einige Menschen, solche Gedanken in aller Ruhe und Zielstrebigkeit
aber umzusetzen, ist wahrscheinlich das Geheimnis dieses Mannes. Und so sprudelte
er munter drauf los, als er mir bereits vor über zwei Jahren erstmals von
seinem Projekt einer persönlichen DS erzählte: "Die DS ist ein tolles Auto. Von meinen vielen Citroëns, die ich hatte
und habe, war und ist sie nicht die schnellste, nicht die urigste, nicht die
robusteste und nicht die einfachste. Aber sie war stets die bequemst zu fahrende,
vor allem mit hydraulischer Schaltung, - und sie war eigentlich die schönste." Und
schmunzelnd sagte er weiter: "Das "eigentlich" sage ich bewusst, denn ich finde, einige Details
an der DS sind einfach verpatzt. Die dritte Front finde ich als ästhetisch
geschulter Mensch die schönste, denn sie ist am geschlossensten, am modernsten,
am meisten eine Linie. Und auf die Geschlossenheit von Entwürfen achte ich
sehr. |
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Doch bei allen DS stört mich beispielsweise das Heck. Dort passte ja nichts:
die Kotflügel sind nicht so lang wie die Kofferraum-Klappe. Die Wölbung
des einen Teils setzt sich im anderen überhaupt nicht fort. Die Rücklichter
inmitten der wunderschönen Heckstoßstangen sehen unharmonisch aus.Zu
welcher Linie passen denn die? Oder bestes Beispiel für Fehlgriffe: an einem
Auto voller Edelstahl und Alu, also mit ausschließlich silberfarbenen Akzenten
wo du auch hinschaust, was sollen da eigentlich diese hässlichen goldfarbenen
Doppelwinkel auf der Kofferraumhaube? Da schüttelt es sich mir ja beim Anblick.
Ich wollte mit meiner "Traumgöttin", mit meinem persönlich
veränderten Auto, dem Bertoni-Entwurf zu der Geschlossenheit, Glattflächigkeit
und Linie verhelfen, die ich mir immer gewünscht, in ihm immer gesehen hatte."
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